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Neulich bei Saturn… PDF Drucken E-Mail
Freitag, 10. Oktober 2008 um 10:24

Vor kurzem schlenderte ich in meinem Studienort durch die Einkaufsstraße und hatte die grandiose Idee nach langer Zeit wieder einmal bei Saturn einen Abstecher zu machen. Da ich ein neues Handy suchte und Saturn jetzt ja bekanntlich "Technik liebt und teuer hasst" war ich auf die Auswahl und Preise gespannt. Und tatsächlich gab es ein ansprechendes und sehr günstiges Modell einer hier in Deutschland weniger bekannten Firma. Also habe ich den Markennamen und das Modell aufgeschrieben und im Internet recherchiert, was sich hinter dem Namen "Elson" verbirgt und ob es das Handy anderswo billiger zu erwerben gibt. Zu meinem Erstaunen war der Aktionspreis, es gab aber noch eine andere Preisbeschilderung mit 30 Euro mehr, in der Tat das günstigste Angebot. So nahm ich mir vor am nächsten Tag das Handy bei Saturn zu kaufen.

Tags darauf gab es nur noch etwa zehn Handys und der Mitarbeiter bestätigte mir den günstigeren Aktionspreis. Frohlockend begab ich mich zur Kasse, um zum ersten Mal enttäuscht zu werden: Die Kassiererin wollte nicht abkassieren. Anscheinend muss man sich zuerst registrieren lassen und seine gesamten Personalien angeben, bevor man das Handy kaufen kann. Mehrfach versuchte ich zu erklären, dass es sich bei meinem Kauf um ein einzelnes Handy und nicht um ein Prepaid-Bundle handelt, was die Kassiererin aber überforderte. Schließlich kam ein wichtiger Security-Mitarbeiter aus dem Hintergrund und erkundigte sich nach dem Problem. Offensichtlich hatte der Mitarbeiter in der Handyabteilung vergessen mir eine Rechnung auszustellen.

Nun ging ich zurück zu diesem Mitarbeiter und fragte, was das zu bedeuten habe. "Ach ja, die Rechnung…" war sein Kommentar und er machte sich sofort daran mir diese zu erstellen. Nun wollte er Namen, Adresse, etc. wissen. Als ich fragte, ob das sein muss, meinte er zuerst "nein", um dann doch zu merken, dass er einen Namen braucht, der aber durchaus fiktiv sein könne. Gut, dachte ich mir und gab einen erfundenen Namen an. Leider war der Mitarbeiter ziemlich inkompetent und es klappte nicht mit der Rechnung, woraufhin er seinen Kollegen holte und ihn auch noch mal mit meiner Frage konfrontierte. Dieser war ein ganz heller Kopf, denn er meinte, dass mir nur Garantie zustehen würde, wenn ich das Handy samt personalisierter Rechnung mitbringen würde. Auf meine Gegenfrage, warum und seit wann das so sei, erwiderte dieser nur: "Ja, stellen sie sich vor, ihnen würde jemand das Handy klauen, dann könnte diese Person ja zu uns kommen und das Handy reparieren lassen, falls es kaputt ist." Ich war im ersten Moment verblüfft, um dann aber auch etwas den Besserwisser raushängen zu lassen. Laut Gesetz hat man 24 Monate Gewährleistung und ja, falls jemand das Handy samt Rechnung klaut (dies scheint mir sehr wahrscheinlich!), kann dieser im Falle eines Schadens zu Saturn gehen und das Handy reparieren lassen. Dies verneinte der Mitarbeiter hartnäckig und fügte dann noch sichtlich genervt hinzu, dass ich ohne die Preisgabe meiner Daten kein Handy hier von ihm erhalten würde.

Scheinbar bekommt man auf bei Saturn gekaufte Waren nur dann Gewährleistung, wenn man seine gesamten persönlichen Daten bekannt gibt. Sicher kann das auch ein Einzelfall gewesen sein, aber worin unterscheidet sich der Kauf eines Handys vom Kauf eines Fernsehers oder Toasters? Wahrscheinlich versucht auch hier Saturn die Daten seiner Kunden zu erfassen. Die Begründung des Verkäufers, dass so Missbrauch vorgebeugt wird, ist für mich mehr als zynisch.

Festzuhalten bleibt, dass Saturn nicht nur durch irreführende Werbung und fragliche Methoden laut Bundesverband der Verbraucherzentralen besticht, sondern systematisch die persönlichen Daten seiner Kunden sammelt. Zum einen kann so nachvollzogen werden, wer, was, wann und zu welchem Preis gekauft hat und ich finde, dass es niemanden etwas angeht, ob und wann ich mir einen Toaster, eine elektrische Zahnbürste, einen Fernseher oder einen Computer gekauft habe. Zum anderen weiß Saturn und somit auch die Konzernmutter Metro, wo die Kunden leben, wie alt und wie zahlungskräftig diese sind. Aus diesen beiden Fakten können dann ganz schnell aussagekräftige Profile erstellt werden und das alles ohne Zustimmung des Kunden bzw. unter dem Deckmantel, diese Daten für die Gewährleistungspflicht zu benötigen. Dafür hat Saturn einen BigBrotherAward verdient!

Ich für meinen Teil habe die großen Elektronikmarktketten zwar ohnehin so gut es ging umgangen, werde jetzt aber nach dieser Erfahrung vor allem Saturn meiden. Hoffentlich tun dies möglichst viele Menschen und nennen an der Kasse die Gründe für ihr Handeln. Zwar ist die Ignoranz wichtiger Manager sehr ausgeprägt, wenn der Profit jedoch ausbleibt, dann werden auch diese Damen und Herren gezwungen über ihr Geschäftsgebaren nachzudenken.

Das Handy habe ich inzwischen auch bekommen und zwar ganz ohne Preisgabe meiner Daten.

(JoGö)

 

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